Anarchie oder Diktatur im Content Management?

Im ersten Post der Serie habe ich das Problem erklärt. Jetzt wollen wir uns doch mal mögliche Lösungen anschauen. In welchen Situationen lohnt sich eher ein anarchistischer Ansatz und wann ist eher die eiserne Faust des Dikatators gefragt?

Innovation ist gefragt

Selber am Ruder sein und die Auswirkungen miterleben ist ein Motivationsschub. Idee -> Umsetzung -> Go-Live -> Überwachen -> verbessern, ohne dabei viele Gremien, Steering Committees und Approvals zu durchlaufen. Das spornt an und motiviert.

Es ist noch nicht ganz klar, was der Business Case einer digitalen Präsenz sein soll, sondern dieser soll erforscht werden. Es ist noch nicht ganz klar, was genau herauskommen soll, sprich Innovation und Erfindergeist ist gefragt: Hier ist ein anarchistischer Ansatz zielführender. Freie fahrt und dann mal schauen, was herauskommt.

Typische Strategie von Grosskonzernen, um Innovation zu erzeugen: Geziehlt ein Spinn-Off gründen bzw. ein Startup kaufen oder unterstützen.

Das Produktbranding über Corporate Design

Immer wieder ein Schlachtfeld: Kommt dieses Produkt auf die zentrale Firmenwebseite oder wird dafür ein neues unabhängiges Plätzchen geschaffen. Eine Frage der Strategie und des Brandings. Soll das Produkt unabhängig (stand-alone) im Markt platziert werden und daher losgelöst von der Firmenwebseite auftreten, dann ist wohl der anarchistische Ansatz der Bessere. Die Verantwortlichen können im kleinen Kreis die optimalen Entscheidungen treffen ohne komplexe Hierarchien zu durchlaufen.

Kurzlebige Events

Während eine zentral gesteuerte Webseite eher mit dem operativen Geschäft vergleichbar ist, gibt es auch Webseiten, welche einen Projektcharakter haben: z.B. das 100 jährige Bestehen der Firma, eine gross angelegte Kampagne rund um die Fussball Weltmeisterschaft oder ein Pilotprojekt für eine neue Dienstleistung (wobei sich das wiederum mit dem Punkt Innovation deckt).

Es wäre durchaus wünschenswert, wenn sich das einfach in die Strukturen einer Firmenseite integrieren liesse, doch wahrscheinlich bei einer Elefantenfirma eher utopisch und kaum der Aufwand wert, da die Seite nach Projektende wieder verschwindet.

Einigkeit

Hier ist eher der CMS Diktator gefragt. Mit eiserner Faust schaut er, dass alles gleich ausschaut, die Konventionen eingehalten werden und die Qualität überall stimmt.

Statisch & Klein

Seiten, welche relativ statisch sind und überschaubar, lassen sich gut zentral managen, da lediglich sichergestellt werden muss, dass der Server am Laufen bleibt.

Das Web kommt aus der Anarchie

Es ist unschwer zu erkennen, zu welchem Lager ich gehöre: Das Web ist ein dezentrales, z.T. anarchistisches Medium, daher passt dieser Ansatz auch besser.

Mittels Workflows ist es möglich die beiden Welten miteinander zu verbinden, z.B. dezentrales editing mit zentralem Approval, doch wird ein Marketing Manager immmer gründe finden, warum er für seine Kampagne genau etwas anderes (besseres) braucht.

Insofern ist meine Meinung, tendentiell den anarchistisches (dezentralen) Weg einzuschlagen: Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit anstatt in einer hochglanz Pressemeldung das blaue vom Himmer zu versprechen. Das gemischt mit einem schlauen System, welches gestalterische Leitplanken setzt, einer einheitlichen Strategie und einem regelmässigen Austausch bringt auch die „Anarchie“ ziemlich weit.

Wie siehst du das? Falls du eine Meinung hast, dann nütze bitte den Kommentar.